Personenschifffahrt auf der Donau

Ein Einblick in die Personenschifffahrt auf der Donau, historisch betrachtet unter dem Aspekt der donauschwäbischen Auswanderung

Meine im Jahr 2004 verstorbene donauschwäbische Großmutter erzählte mir häufig davon, dass unsere Vorfahren auf der Donau nach Ungarn gereist waren. Diese Form des Reisens in der Vergangenheit war für mich daher von Kindheit an eine Selbstverständlichkeit.

Im Rahmen von vielen Gesprächen bei den Genealogenstammtischen der Österreichischen Gesellschaft für familien- und regionalgeschichtliche Forschung (ÖFR) zeigte sich rasch, dass auch viele Forscherinnen und Forscher ohne donauschwäbischen Bezug Vorfahren haben, die im 17. oder 18. Jahrhundert von Deutschland nach Österreich gekommen waren. Ihnen war die Personenschifffahrt auf der Donau weniger bekannt als mir.

Daraus entstand die Idee, mich näher mit diesem spannenden Thema zu beschäftigen. Mein Aufsatz dazu erschien im November 2019 im Jahrbuch der ÖFR.

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Nu seim’r uff Gajdobra g’fohra

Eine kleine Zeitreise – Das Überqueren der Donau heute und vor 100 Jahren

Es gibt nur wenige Situationen, in denen mir „der technische Fortschritt“ so bewusst wird wie beim Überqueren der Donau über die Georgsbrücke bei Traismauer in Niederösterreich.

Ich lebe heute in Stockerau nahe bei Wien, Familie und Freunde aus Kindheitstagen sind in Oberösterreich. Und so bin ich mit meinem Mann und meiner Tochter des Öfteren unterwegs nach „dahoam“.

Seit 2010 geht das noch schneller, denn in diesem Jahr wurde die Georgsbrücke eröffnet und wir ersparen uns 15 Minuten Fahrzeit. Wir packen also unsere Taschen, steigen ins Auto und fahren Richtung Krems. Nehmen nach ein paar Fahrminuten durch die traumhafte Auenlandschaft die Abzweigung Richtung St. Pölten – und plötzlich ist unter uns dieser herrliche Strom, die Donau, die mich schon als kleines Kind so faszinierte.

Ich liebe es, über diese Brücke zu fahren. Und jedes Mal denke ich an die ganz schlichte, unprätentiöse Geschichte, die mir meine Oma vom damaligen Überqueren der Donau erzählt hat.

„O mol im Johr sein mer uff Gajdobra zur Kerchweih g’fohra. Iwr die Fruska Gora, des Frankagebirge. Mir henn V’rwandte g’habt uff Gajdobra, die Mottr wor vun dort. So sein mer mit’n Waage un‘ de Pferd nuff zur Donau g’fohra un‘ sein dort mit der Fähr‘ iwr die Donau.“

Das war in den 1930er Jahren, in der Vojvodina, heute Serbien. Meine Großeltern lebten in Erdewik, einem kleinen Ort gut 20 Kilometer südlich von Palanka. Anlässlich des jährlich stattfindenden Festes der „Kirchweih“ (Kerchweih) fuhren sie ein Mal im Jahr nach Gajdobra, dem Geburtsort meiner Urgroßmutter. Das Transportmittel war der von meinem Großonkel, dem Wagnermeister Josef Steiner hergestellte Wagen mit den Pferden Jantschi und Jultschi – ein „Automobil“ hatte zu dieser Zeit kaum jemand in Erdewik. Zuerst ging es die rund 20 Kilometer über das Frankengebirge, eine hügelige Landschaft zwischen der Donau und den fruchtbaren Ebenen Syrmiens. Bei Palanka fuhren die Fuhrwerke auf die Fähre auf, um die Donau zu überqueren.

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Fähre über die Donau, bei Palanka © Pudelek (CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0))

Es ist jedes Mal eine kleine Zeitreise für mich, wenn ich weniger als 100 Jahre später mit allem Komfort und aller Bequemlichkeit etwas mehr oder weniger auf’s Gas drücke und einfach so, ohne Aufwand die Donau überquere. Denn jedes Mal schweifen meine Gedanken ab zu meiner Oma und ihren vielen Erzählungen, die mir Erdewik mit all seinen Geschichten als Ort nahegebracht haben.

Und so verbinden sich für mich bei einer simplen Donauquerung mehrere Stationen meiner Familiengeschichte: Von „dahaam“ in Stockerau fahre ich nach „dahoam“ in Oberösterreich und denke dabei an das „d’rhoom“ meiner Oma, Erdewik.

Und die Donau ist das verbindende Element.