Suchhilfen zu den „Banater Akten“

Als „Banater Akten“ oder auch „Wiener Listen“ wird jener Bestand des Österreichischen Staatsarchivs bezeichnet, der die Registrierung von Kolonisten enthält, die in den Jahren 1749 bis 1809 durch Wien nach Ungarn auswanderten. Die Digitalisate dieser Listen sind auf FamilySearch verfügbar.

Der Detailgrad an Informationen in diesen Listen variiert, wobei für spätere Auswanderer häufig mehr Informationen angegeben sind als für frühere. Im Idealfall enthalten die Banater Akten Name, Vorname, Alter, Stand und Zielort, ab ca. 1764 den Herkunftsort, ab ca. 1768 den Beruf und die Anzahl der Mitreisenden. Nicht immer entspricht der angegebene Zielort auch dem tatsächlichen Ort der Ansiedlung.

In diesem Beitrag finden Sie folgende Informationen:

Suchhilfen, um die eigentlichen Digitalisate zu finden

Die folgenden drei Suchhilfen unterstützen Sie dabei, die von Ihnen gesuchten Auswanderer in den Digitalisaten der Listen finden. Dabei ist anzumerken, dass dies mit Hilfe der Ansiedlerkartei zum Teil nicht oder nur schwer möglich ist. Die mit Abstand zielführendste und erfolgversprechendste Suchhilfe ist Stefan Staders „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“.

Ansiedlerkartei

  1. Öffnen Sie auf FamilySearch die Übersichtsseite der Ansiedlerakten.
  2. Suchen Sie in der Liste den gewünschten Film.
    Die Karteien gliedern sich in
    – „Ansiedler nach Banat, 1743-1823“,
    – „Von Günzburg nach Ungarn/Von Ulm nach Ungarn/Nach gemischte Länder/Von Elsaß nach Ungarn“
    – „Nach Batschka (und Banat)“ sowie
    – „Nach Ungarn, Rumänien, Jugoslawien 1686-1830“.
    Wenn Sie keinerlei Herkunftshinweise zu Ihren Auswanderern haben, durchsuchen Sie alle diese Gliederungsebenen, die jeweils alphabetisch sortiert sind.
  3. Öffnen Sie das gewünschte Digitalisat, indem Sie rechts auf das Fotoapparat-Symbol klicken.
  4. Suchen Sie nun den gewünschten Namen. Dabei ist zu beachten, dass die Schreibweise zum Teil deutlich von der heutigen oder der Ihnen bekannten Schreibweise abweicht.
    Die Filme umfassen in der Regel rund 4.000 Aufnahmen. Um die Suche zu beschleunigen, geben Sie im Eingabefeld links oben eine beliebige Aufnahmenummer ein, überprüfen Sie die Position der Namenfolge und suchen Sie so weiter.
  5. Im Idealfall finden Sie einen Eintrag, der einen Hinweis auf die Banater Akten gibt, wie in diesem Beispiel des Webers Michael Henn:
    Film 008016505, Aufnahme 3892:
    „Henn, Michael, Weber
    geboren um 1738, 6 Personen (Gattin, 1 Sohn, 1 Tochter, 2 Schwestern
    einquartiert am 2.5.1770 im Banat
    Banater Akten
    rote Nr. 156″
    Notieren Sie sich diese Angabe – im konkreten Beispiel Banater Akten, rote Nr. 156 und die Jahresangabe.
  6. Lesen Sie im Abschnitt Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden, wie Sie mit Angabe der roten Nummer und der Jahresangabe Ihren Auswanderer finden können.

Leider lassen sich über die Ansiedlerkartei nicht alle Einträge in den Banater Akten finden, wie das Beispiel meines Vorfahren Nikolaus Ferger zeigt. In Film 008016404, Aufnahme 4145 ist lediglich angegeben, dass die Ansiedlung 1764 in Bukin Nr. 10 erfolgte. Im Abschnitt „genealogische Daten“ ist der 1763 geborene Sohn Peter vermerkt.

In einem solchen Fall können die folgenden zwei Quellen Aufschluss geben.

Wilhelm und Kallbrunner, Quellen zur Deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa

Im Jahr 1936 erfassten Dr. Franz Wilhelm und Dr. Josef Kallbrunner die Wiener Listen und veröffentlichten sie unter dem Titel „Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa“. Die Publikation enthält einen Namensindex, der die Seite und Zeilenzahl im Buch angibt.

In dieser Suchhilfe finden sich häufig bessere Hinweise als in der Ansiedlerkartei. Im Beispiel des oben erwähnten Nikolaus Ferger geben Wilhelm und Kallbrunner auf Seite 41 Zeile 101 an: 23. Mai 1765, Niclas Ferie von Besseringen aus Deutsch-Lothringen. Im Unterschied zur Ansiedlerkartei führen Wilhelm und Kallbrunner auchChristoph Ferger an, den Vater von Nikolaus. Diese Einträge sind im Abschnitt Verzeichnisse der im Jahre 1765 von Wien aus zur Ansiedlung im Banat abgehenden Kolonisten enthalten, der auf Seite 36 beginnt.

Wenn Sie eine gesuchte Person gefunden haben, notieren Sie sich die Quellenangabe, die unter dem Titel des Abschnitts angeführt ist. Im Beispiel für Nikolaus Ferger ist dies Banater Akten, Fasz. 35. Häufig wird zusätzlich die sogenannte rote Nummer angegeben, mit deren Hilfe Sie im nächsten Schritt (siehe Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden) zielführend suchen können. Wenn keine rote Nummer angegeben ist, notieren Sie sich die Jahreszahl, in diesem Beispiel 1765.

Stefan Stader, Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten

Die mit Abstand bedeutendste Suchhilfe ist das neunbändige „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“, in dem Stefan Stader (1923-2003) zahlreiche Einzelquellen zur donauschwäbischen Herkunftsforschung zusammengeführt hat. Die letzten Bände wurden nach seinem Tod vom Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher e.V. (AKdFF) fertiggestellt.

Der Detailgrad an Informationen geht bei Stader häufig über Wilhelm und Kallbrunner hinaus. Für Nikolaus Ferger lautet der Eintrag in Band II, # 11726 wie folgt:
Ferie Nikolaus, – Wien 23.5.1765, v Besseringen, nwv Merzig/Saar, ins Banat. – Qu; (1) WK 41/101-2; = (2) BanA fasz 35, rNr 147, fol 325 = Abs Bd II S 30

Die äußerst wichtige Zusatzinformation hier im Vergleich zu Wilhelm und Kallbrunner ist die exakte Angabe in Quelle 2, den Banater Akten: Zusätzlich zur Faszikel sind auch die rote Nummer und die Folio angegeben.

Im Fall von Andreas Ruppaner, einem weiteren meiner Vorfahren, sind die Angaben in Staders Sammelwerk noch detaillierter. In Band VI, Eintrag #45517 ist zu ihm vermerkt:
Ruppaner (Rupaner; WK Ruppana) Andreas, Hufschmied und Zimmermann, Sv Andr R. u Jud Kessler, * 2.7.1723 in Mengen, söv Sigmaringen, ab 1767 in Filipowa/Batschka, verh. 15.1.1746 in Mengen, Magdalena Emm, * um 1731, Kdr geb 1-9 in Mengen, 6 sind mit nach Filipowa gezogen (M Kath *2.6.48, Joh *20.5.51, Matth * 21.9.1753, Alois * 5.10.57, Kon * 24.11.59, Martha * 31.12.61); – Wien Juni 1767, nach Filipowa. – Qu; (1) WK 19/86; = (2) UngCam Fasz 32, rNr 706, fol 72b, 141b, 182b-183 = Abs Bd IV S58, 86, 115; (176) PFilip S 550; (216) swDA QaF 4929

Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden
  1. Öffnen Sie auf FamilySearch die Liste der Ansiedlerakten.
  2. Scrollen Sie auf der Seite nach unten, bis Sie zu den mit „Faszikel 35“ beginnenden Einträgen gelangen.
  3. Als Beispiel dient hier Nikolaus Ferger, der laut Eintrag #11726 in Band II von Stefan Staders „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“ in fasz 35, rNr 147, fol 325 zu finden ist.
    HINWEIS: Wenn Sie nur die Faszikel aber keine rote Nummer (rNr) kennen, orientieren Sie sich an den Jahresangaben, die in der Übersichtsliste der einzelnen Filme angegeben sind.
  4. Suchen Sie in der Liste auf FamilySearch für dieses Beispiel die Zeile mit der Faszikel 35 und dem Zusatz 147 für die in Stader genannte rote Nummer.
  5. Öffnen Sie das Digitalisat, indem Sie rechts auf das Fotoapparat-Symbol klicken.
  6. Der Film mit der Nummer 008016418 wird in einem neuen Browser-Fenster geöffnet. Er enthält nicht nur die rote Nummer 147, sondern auch die Nummern 146a, 146b und 148. Der Beginn eines neuen Nummernbereichs wird durch ein Deckblatt gekennzeichnet. Suchen Sie daher am besten in der Bildübersichtansicht nach diesen gut erkennbaren Startseiten eines neuen Abschnitts.
  7. Fasz. 35 rNr 147 beginnt bei der Aufnahmenummer 757, folio 325 befindet sich auf der Aufnahmenummer 993:
Eintrag für Christoph und Nikolaus Ferger in der Ansiedlerliste vom 24. Mai 1765
Quellenangaben

„Zeitreise durch die Familiengeschichte“ – Ein Beitrag im Magazin „Granatapfel“

Ein Interview zum Thema Ahnenforschung im „Granatapfel“, dem Monatsmagazin des Ordens der Barmherzigen Brüder.

Der Orden der Barmherzigen Brüder gibt seit dem Jahr 1932 das Magazin „Granatapfel“ heraus. Monatlich bietet es auf 36 Seiten zahlreiche Informationen zu unterschiedlichen Themen wie Medizin, dem Wirken des Ordens, kulturellen Sehenswürdigkeiten oder Brauchtum und Tradition.

In der Novemberausgabe 2019 befassen sich Sandra Knopp und Udo Seelhofer mit dem Thema Ahnenforschung. Für ihren Beitrag „Zeitreise durch die Familiengeschichte“ sprachen sie unter anderem mit dem ORF-Journalisten Ernst Gelegs, der in der Wohnung einer verstorbenen Wahltante eine Schachtel mit Briefen aus den Jahren 1933-1944 fand und diese in Form eines Buchs unter dem Titel „Liebe Mama, ich lebe noch! Die Briefe des Frontsoldaten Leonard Wohlschläger“* veröffentlichte.

Udo Seelhofer interviewte auch mich für diesen Beitrag. Auf seine Fragen nach dem „Woher komme ich? Wer waren meine Vorfahren?“ sprachen wir darüber, wie mich die Erzählungen meiner Großmutter zur Ahnenforschung brachten, und dass ein „Wasenmeister“ nichts mit der Erzeugung von Blumenvasen zu tun hat…

Beitrag lesen

* Ernst Gelegs: Liebe Mama, ich lebe noch! Die Briefe des Frontsoldaten Leonard Wohlschläger. Verlag Kremay & Scheriau, ISBN 978-3-218-01161-7, 208 Seiten, € 22,-.

Radiointerview „Der Boom der Stammbaumforschung“

Ein Beitrag der Sendereihe Ö1 Momente zum Thema Ahnenforschung.

Am 17. Juni 2019 sendete Ö1 in der Reihe „Moment – Leben heute“ einen von Tanja Rogaunig gestalteten Beitrag zum Thema Ahnenforschung:

„Lange war das Image der Ahnenforschung schlecht. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand sie im Verdacht, die nationalsozialistische Sippenforschung fortzuführen. Später galt es als altmodisch, in der Freizeit Stammbäume zu zeichnen. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Seit Österreichs Kirchenbücher per Mouse-Klick von zu Hause aus einzusehen sind, steigt die Zahl der Hobby-Genealogen – so nennt man die Freizeit-Familienforscher im Fachjargon.“

Für diese Sendung interviewte sie:

  • Leopold Strenn, Präsident der ÖFR,
  • Felix Gundacker, Berufsgenealoge und Gründer von GenTeam,
  • Thomas Aigner, Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten und Präsident ICARUS,
  • Wolfgang Krüger, Psychotherapeut
  • und mich, Gabi Rudinger

Zu hören hier bis 24. Juni 2019: https://oe1.orf.at/player/20190617/556507

 

Nu seim’r uff Gajdobra g’fohra

Eine kleine Zeitreise – Das Überqueren der Donau heute und vor 100 Jahren

Es gibt nur wenige Situationen, in denen mir „der technische Fortschritt“ so bewusst wird wie beim Überqueren der Donau über die Georgsbrücke bei Traismauer in Niederösterreich.

Ich lebe heute in Stockerau nahe bei Wien, Familie und Freunde aus Kindheitstagen sind in Oberösterreich. Und so bin ich mit meinem Mann und meiner Tochter des Öfteren unterwegs nach „dahoam“.

Seit 2010 geht das noch schneller, denn in diesem Jahr wurde die Georgsbrücke eröffnet und wir ersparen uns 15 Minuten Fahrzeit. Wir packen also unsere Taschen, steigen ins Auto und fahren Richtung Krems. Nehmen nach ein paar Fahrminuten durch die traumhafte Auenlandschaft die Abzweigung Richtung St. Pölten – und plötzlich ist unter uns dieser herrliche Strom, die Donau, die mich schon als kleines Kind so faszinierte.

Ich liebe es, über diese Brücke zu fahren. Und jedes Mal denke ich an die ganz schlichte, unprätentiöse Geschichte, die mir meine Oma vom damaligen Überqueren der Donau erzählt hat.

„O mol im Johr sein mer uff Gajdobra zur Kerchweih g’fohra. Iwr die Fruska Gora, des Frankagebirge. Mir henn V’rwandte g’habt uff Gajdobra, die Mottr wor vun dort. So sein mer mit’n Waage un‘ de Pferd nuff zur Donau g’fohra un‘ sein dort mit der Fähr‘ iwr die Donau.“

Das war in den 1930er Jahren, in der Vojvodina, heute Serbien. Meine Großeltern lebten in Erdewik, einem kleinen Ort gut 20 Kilometer südlich von Palanka. Anlässlich des jährlich stattfindenden Festes der „Kirchweih“ (Kerchweih) fuhren sie ein Mal im Jahr nach Gajdobra, dem Geburtsort meiner Urgroßmutter. Das Transportmittel war der von meinem Großonkel, dem Wagnermeister Josef Steiner hergestellte Wagen mit den Pferden Jantschi und Jultschi – ein „Automobil“ hatte zu dieser Zeit kaum jemand in Erdewik. Zuerst ging es die rund 20 Kilometer über das Frankengebirge, eine hügelige Landschaft zwischen der Donau und den fruchtbaren Ebenen Syrmiens. Bei Palanka fuhren die Fuhrwerke auf die Fähre auf, um die Donau zu überqueren.

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Fähre über die Donau, bei Palanka © Pudelek (CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0))

Es ist jedes Mal eine kleine Zeitreise für mich, wenn ich weniger als 100 Jahre später mit allem Komfort und aller Bequemlichkeit etwas mehr oder weniger auf’s Gas drücke und einfach so, ohne Aufwand die Donau überquere. Denn jedes Mal schweifen meine Gedanken ab zu meiner Oma und ihren vielen Erzählungen, die mir Erdewik mit all seinen Geschichten als Ort nahegebracht haben.

Und so verbinden sich für mich bei einer simplen Donauquerung mehrere Stationen meiner Familiengeschichte: Von „dahaam“ in Stockerau fahre ich nach „dahoam“ in Oberösterreich und denke dabei an das „d’rhoom“ meiner Oma, Erdewik.

Und die Donau ist das verbindende Element.

GenTeam – Genealogische Datenbanken

GenTeam ist eine Initiative des Berufsgenealogen Prof. Felix Gundacker, bei der Historiker und private Forscher eine Vielzahl an Datenbanken für die Familienforschung zur Verfügung stellen.

Nach einer Registrierung und Anmeldung unter www.genteam.eu können Sie kostenfrei auf alle Datenbanken zugreifen.

Zwei der verfügbaren Datenbanken haben mir bei der Erforschung meiner Vorfahren aus der ehemaligen K und K Monarchie besonders geholfen – das Ortsverzeichnis und die Indices zu Tauf-, Trauungs- und Sterbebüchern.

Im Ortsverzeichnis hat Prof. Gundacker zirka 72.000 Orte aus Österreich, Tschechien, Südtirol und Slowenien erfasst. Gerade bei schwer lesbaren Ortsnamen ist diese Datenbank hilfreich, da auch nach Namensteilen gesucht werden kann. Neben Informationen zu Pfarrnamen, eventuellen Vorpfarren und dem Zeitraum der Matrikenführung bietet das Ortsverzeichnis auch Links auf die entsprechenden Kirchenbuchportale.

Für die Suche nach einzelnen Vorfahren verwende ich die Indices. Diese Datenbanken enthalten Einträge aus Wien, Ober- und Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark, Böhmen und Mähren sowie Schlesien. Zahlreiche private Forscher beteiligen sich an diesem Projekt, indem sie einzelne Kirchenbücher indizieren und GenTeam zur Verfügung stellen.

Matricula reloaded

Beinahe 20 Millionen Seiten in mehr als 200.000 Kirchenbüchern aus knapp 3.000 Pfarren – zu finden auf Matricula.

Matricula als eines der wesentlichsten Elemente der Ahnenforschung in Österreich zu bezeichnen ist sicher nicht übertrieben. Seit 2008 bietet das Online-Portal bequem von zuhause aus Zugriff auf die Kirchenbücher der meisten österreichischen Pfarren, und das Angebot wächst ständig.

2017 war es dann soweit – Matricula erhielt ein völlig neues Design, neue Funktionen und erstrahlt seitdem in neuem Glanz.

Mehr dazu im folgenden Beitrag, den ich für das Magazin insights 02/2017 geschrieben habe.

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ÖFR – Gemeinsam erfolgreich

Eine neue Internetseite – ein neuer Verein. Die Österreichische Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung, ÖFR.

Im Zuge der Digitalisierung forschen wir immer mehr von zu Hause aus – zwar bequem, aber doch meistens alleine. Die schönsten Erfolgserlebnisse ergeben sich jedoch häufig aus der Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten.

In meinem Fall ist das zum Beispiel die Suche nach den Vorfahren von Anton Rauffer, die ich gemeinsam mit einem Urgroßcousin und einer entfernt verwandten Australierin geschafft habe. Verwandte mit dem gleichen Hobby zu haben ist ein Glücksfall, den nicht jeder hat. Deshalb halte ich es für eine hervorragende Möglichkeit, sich über Initiativen oder Vereine mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen.

Seit der Gründung des Genealogenstammtischs durch Leopold Strenn im Jahr 2015 habe ich an vielen Treffen in Wien, Mistelbach und Krems teilgenommen und dabei Menschen getroffen, die ich heute zu meinen Freunden zählen darf. Sie unterstützen mich bei den kniffligen Fragen und freuen sich mit mir, wenn eine Suche zum Erfolg führt.

Aufbauend auf dem Genealogenstammtisch ist nun ein Verein entstanden, die Österreichische Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung (ÖFR). Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, bezweckt unter anderem die Förderung der Ahnenforschung, der Familienforschung und der regionalgeschichtlichen Forschung, Maßnahmen zur fachlichen Förderung und zur Verankerung der Familien- und regionalgeschichtlichen Forschung in der Öffentlichkeit. Der Forschungsschwerpunkt liegt in den Ländern der ehemaligen Monarchie Österreich-Ungarn. Der Verein ist parteipolitisch und konfessionell neutral, er ist ausschließlich gemeinnützig tätig.

Es freut mich sehr, die Arbeit der ÖFR als Vizepräsidentin unterstützen zu dürfen.

Nutzen Sie diese hervorragende Möglichkeit, sich mit anderen Forschern zu vernetzen! Ich lade Sie herzlich dazu ein, sich auf unserer Seite über uns zu informieren.

Simon Ferger – wer waren die Eltern?

Die erfolgreiche Suche nach den Vorfahren meines Urgroßvaters

Mein Urgroßvater väterlicherseits, Simon Ferger, wurde 1863 in Erdevik geboren. Heute zu Serbien gehörend, war der Ort zur Zeit der Monarchie dem ungarischen Herrschaftsbereich zugeordnet. Nach der Flucht der Donauschwaben im Herbst 1944 verlor sich die Spur der Kirchenbücher, und daran hat sich auch bis heute nicht wirklich etwas geändert.

Mein Großvater starb kurz vor meiner Geburt, und meine Großmutter konnte mir über die Eltern ihres Schwiegervaters auch nichts Näheres erzählen. Ohne den Zugriff auf die Kirchenbücher schien die Suche am Ende angelangt zu sein, bevor sie noch beginnen konnte.

Bis ich eines Tages mit meiner Mutter alte Dokumente ihres Familienzweigs durchsah und dabei einen genaueren Blick auf die Sterbeurkunde meiner Urgroßmutter warf. So wie Simon Ferger war auch sie nach dem 2. Weltkrieg in Österreich gestorben – und in ihrer Sterbeurkunde waren die Namen ihrer Eltern vermerkt. Wenn das in ihrem Fall eingetragen war, warum sollte es bei Simon Ferger anders sein?

Nun ging es Schlag auf Schlag. Ein Anruf beim Standesamt jener kleinen Gemeinde in Oberösterreich, in der mein Urgroßvater vier Jahre nach der Flucht verstorben war. Die Frage, ob man mir Auskunft geben könnte über die Eltern des Verstorbenen. Ein Satz, den ich nie vergessen werde: „Bleiben Sie kurz dran, ich schau‘ nach“. Und nach wenigen Minuten zwei Namen: Simon Ferger und Eva, geborene Fischer. „Möchten Sie auch den Beruf des Vaters wissen? Er war Stricker“.

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Simon FERGER, * 1838 in Bukin, Batschka

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Eva FISCHER, * 1839 in Palanka, Batschka

Ein unbeschreibliches Gefühl.

Mit den Namen meiner bis dahin völlig unbekannten Ur-Urgroßeltern war es leicht, den weiteren Weg der Linie zu erforschen. Mehrere hervorragende donauschwäbische Familienforscher waren mir bereits behilflich gewesen, aus den vorhandenen Familienbüchern der Siedlungsgebiete in der Batschka alle Einträge zum Namen Ferger zu sammeln. Und so fand ich in Palanka die Trauung und die Taufe von Eva Fischer, in Bukin die Taufe von Simon Ferger senior.

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Trauungseintrag für Simon Ferger und Eva Fischer, Palanka 1861

Aus dem Familienbuch für Bukin erfuhr ich, dass die ersten Ansiedler Christoph Ferger und sein Sohn Nikolaus waren, die 1765 aus dem saarländischen Besseringen nach Bukin ausgewandert waren.

Als ich die Daten aus Bukin fertig in meine Datenbank eingetragen hatte, war es knapp vor Mitternacht – jene Uhrzeit, zu der meine Gedanken am freiesten sind. Also googelte ich Besseringen im Saarland und fand auch eine Website zu dem malerischen kleinen Ort, eine Kontaktmöglichkeit zum Webmaster war angegeben…

In meiner Mail erklärte ich, dass ich eben herausgefunden hatte, von der Familie Ferger aus Besseringen abzustammen. Und fragte einfach an, ob es für Besseringen vielleicht noch weitere Forschungsmöglichkeiten gäbe. Dann ging ich schlafen.

Am nächsten Morgen war die Antwort in meinem Postfach: Der Stammbaum des Auswanderers Christoph Ferger, bis hinauf ins Jahr 1628! Wie es der Zufall so wollte, war der Webmaster selbst auch Ahnenforscher – über seine Frau gab es sogar eine Verbindung zu meinem neu gefundenen Stammvater Paulus Ferger. Ich erhielt auch die Information zu einem Familienbuch für Mettlach/Besseringen, das ich umgehend bestellte, um alle darin enthaltenen Nachkommen von Paulus Ferger in meine Datenbank aufzunehmen.

Quellen:

  • Sterbeurkunde meines Urgroßvaters
  • Anton Reimann: Ortssippenbuch Palanka in der Batschka, Frankfurt am Main, 1981
  • Jakob Schuy: Ortssippenbuch Bukin in der Batschka 1749-1945, Band I und II, Lappersdorf, 1999
  • Reinhold Junges: Familienbuch Mettlach und Umgebung, Mettlach, 1992
  • Internetportal von Besseringen/Saar. http://www.besseringen-online.de/, abgerufen am 27. Juli 2017
  • Online-Archiv des Erzbischöflichen Archivs von Kalocsa-Kecskemét. http://archivum.asztrik.hu/?q=de/