Suchhilfen zu den „Banater Akten“

Als „Banater Akten“ oder auch „Wiener Listen“ wird jener Bestand des Österreichischen Staatsarchivs bezeichnet, der die Registrierung von Kolonisten enthält, die in den Jahren 1749 bis 1809 durch Wien nach Ungarn auswanderten. Die Digitalisate dieser Listen sind auf FamilySearch verfügbar.

Der Detailgrad an Informationen in diesen Listen variiert, wobei für spätere Auswanderer häufig mehr Informationen angegeben sind als für frühere. Im Idealfall enthalten die Banater Akten Name, Vorname, Alter, Stand und Zielort, ab ca. 1764 den Herkunftsort, ab ca. 1768 den Beruf und die Anzahl der Mitreisenden. Nicht immer entspricht der angegebene Zielort auch dem tatsächlichen Ort der Ansiedlung.

In diesem Beitrag finden Sie folgende Informationen:

Suchhilfen, um die eigentlichen Digitalisate zu finden

Die folgenden drei Suchhilfen unterstützen Sie dabei, die von Ihnen gesuchten Auswanderer in den Digitalisaten der Listen finden. Dabei ist anzumerken, dass dies mit Hilfe der Ansiedlerkartei zum Teil nicht oder nur schwer möglich ist. Die mit Abstand zielführendste und erfolgversprechendste Suchhilfe ist Stefan Staders „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“.

Ansiedlerkartei

  1. Öffnen Sie auf FamilySearch die Übersichtsseite der Ansiedlerakten.
  2. Suchen Sie in der Liste den gewünschten Film.
    Die Karteien gliedern sich in
    – „Ansiedler nach Banat, 1743-1823“,
    – „Von Günzburg nach Ungarn/Von Ulm nach Ungarn/Nach gemischte Länder/Von Elsaß nach Ungarn“
    – „Nach Batschka (und Banat)“ sowie
    – „Nach Ungarn, Rumänien, Jugoslawien 1686-1830“.
    Wenn Sie keinerlei Herkunftshinweise zu Ihren Auswanderern haben, durchsuchen Sie alle diese Gliederungsebenen, die jeweils alphabetisch sortiert sind.
  3. Öffnen Sie das gewünschte Digitalisat, indem Sie rechts auf das Fotoapparat-Symbol klicken.
  4. Suchen Sie nun den gewünschten Namen. Dabei ist zu beachten, dass die Schreibweise zum Teil deutlich von der heutigen oder der Ihnen bekannten Schreibweise abweicht.
    Die Filme umfassen in der Regel rund 4.000 Aufnahmen. Um die Suche zu beschleunigen, geben Sie im Eingabefeld links oben eine beliebige Aufnahmenummer ein, überprüfen Sie die Position der Namenfolge und suchen Sie so weiter.
  5. Im Idealfall finden Sie einen Eintrag, der einen Hinweis auf die Banater Akten gibt, wie in diesem Beispiel des Webers Michael Henn:
    Film 008016505, Aufnahme 3892:
    „Henn, Michael, Weber
    geboren um 1738, 6 Personen (Gattin, 1 Sohn, 1 Tochter, 2 Schwestern
    einquartiert am 2.5.1770 im Banat
    Banater Akten
    rote Nr. 156″
    Notieren Sie sich diese Angabe – im konkreten Beispiel Banater Akten, rote Nr. 156 und die Jahresangabe.
  6. Lesen Sie im Abschnitt Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden, wie Sie mit Angabe der roten Nummer und der Jahresangabe Ihren Auswanderer finden können.

Leider lassen sich über die Ansiedlerkartei nicht alle Einträge in den Banater Akten finden, wie das Beispiel meines Vorfahren Nikolaus Ferger zeigt. In Film 008016404, Aufnahme 4145 ist lediglich angegeben, dass die Ansiedlung 1764 in Bukin Nr. 10 erfolgte. Im Abschnitt „genealogische Daten“ ist der 1763 geborene Sohn Peter vermerkt.

In einem solchen Fall können die folgenden zwei Quellen Aufschluss geben.

Wilhelm und Kallbrunner, Quellen zur Deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa

Im Jahr 1936 erfassten Dr. Franz Wilhelm und Dr. Josef Kallbrunner die Wiener Listen und veröffentlichten sie unter dem Titel „Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa“. Die Publikation enthält einen Namensindex, der die Seite und Zeilenzahl im Buch angibt.

In dieser Suchhilfe finden sich häufig bessere Hinweise als in der Ansiedlerkartei. Im Beispiel des oben erwähnten Nikolaus Ferger geben Wilhelm und Kallbrunner auf Seite 41 Zeile 101 an: 23. Mai 1765, Niclas Ferie von Besseringen aus Deutsch-Lothringen. Im Unterschied zur Ansiedlerkartei führen Wilhelm und Kallbrunner auchChristoph Ferger an, den Vater von Nikolaus. Diese Einträge sind im Abschnitt Verzeichnisse der im Jahre 1765 von Wien aus zur Ansiedlung im Banat abgehenden Kolonisten enthalten, der auf Seite 36 beginnt.

Wenn Sie eine gesuchte Person gefunden haben, notieren Sie sich die Quellenangabe, die unter dem Titel des Abschnitts angeführt ist. Im Beispiel für Nikolaus Ferger ist dies Banater Akten, Fasz. 35. Häufig wird zusätzlich die sogenannte rote Nummer angegeben, mit deren Hilfe Sie im nächsten Schritt (siehe Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden) zielführend suchen können. Wenn keine rote Nummer angegeben ist, notieren Sie sich die Jahreszahl, in diesem Beispiel 1765.

Stefan Stader, Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten

Die mit Abstand bedeutendste Suchhilfe ist das neunbändige „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“, in dem Stefan Stader (1923-2003) zahlreiche Einzelquellen zur donauschwäbischen Herkunftsforschung zusammengeführt hat. Die letzten Bände wurden nach seinem Tod vom Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher e.V. (AKdFF) fertiggestellt.

Der Detailgrad an Informationen geht bei Stader häufig über Wilhelm und Kallbrunner hinaus. Für Nikolaus Ferger lautet der Eintrag in Band II, # 11726 wie folgt:
Ferie Nikolaus, – Wien 23.5.1765, v Besseringen, nwv Merzig/Saar, ins Banat. – Qu; (1) WK 41/101-2; = (2) BanA fasz 35, rNr 147, fol 325 = Abs Bd II S 30

Die äußerst wichtige Zusatzinformation hier im Vergleich zu Wilhelm und Kallbrunner ist die exakte Angabe in Quelle 2, den Banater Akten: Zusätzlich zur Faszikel sind auch die rote Nummer und die Folio angegeben.

Im Fall von Andreas Ruppaner, einem weiteren meiner Vorfahren, sind die Angaben in Staders Sammelwerk noch detaillierter. In Band VI, Eintrag #45517 ist zu ihm vermerkt:
Ruppaner (Rupaner; WK Ruppana) Andreas, Hufschmied und Zimmermann, Sv Andr R. u Jud Kessler, * 2.7.1723 in Mengen, söv Sigmaringen, ab 1767 in Filipowa/Batschka, verh. 15.1.1746 in Mengen, Magdalena Emm, * um 1731, Kdr geb 1-9 in Mengen, 6 sind mit nach Filipowa gezogen (M Kath *2.6.48, Joh *20.5.51, Matth * 21.9.1753, Alois * 5.10.57, Kon * 24.11.59, Martha * 31.12.61); – Wien Juni 1767, nach Filipowa. – Qu; (1) WK 19/86; = (2) UngCam Fasz 32, rNr 706, fol 72b, 141b, 182b-183 = Abs Bd IV S58, 86, 115; (176) PFilip S 550; (216) swDA QaF 4929

Digitalisate der Listen auf FamilySearch finden
  1. Öffnen Sie auf FamilySearch die Liste der Ansiedlerakten.
  2. Scrollen Sie auf der Seite nach unten, bis Sie zu den mit „Faszikel 35“ beginnenden Einträgen gelangen.
  3. Als Beispiel dient hier Nikolaus Ferger, der laut Eintrag #11726 in Band II von Stefan Staders „Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten“ in fasz 35, rNr 147, fol 325 zu finden ist.
    HINWEIS: Wenn Sie nur die Faszikel aber keine rote Nummer (rNr) kennen, orientieren Sie sich an den Jahresangaben, die in der Übersichtsliste der einzelnen Filme angegeben sind.
  4. Suchen Sie in der Liste auf FamilySearch für dieses Beispiel die Zeile mit der Faszikel 35 und dem Zusatz 147 für die in Stader genannte rote Nummer.
  5. Öffnen Sie das Digitalisat, indem Sie rechts auf das Fotoapparat-Symbol klicken.
  6. Der Film mit der Nummer 008016418 wird in einem neuen Browser-Fenster geöffnet. Er enthält nicht nur die rote Nummer 147, sondern auch die Nummern 146a, 146b und 148. Der Beginn eines neuen Nummernbereichs wird durch ein Deckblatt gekennzeichnet. Suchen Sie daher am besten in der Bildübersichtansicht nach diesen gut erkennbaren Startseiten eines neuen Abschnitts.
  7. Fasz. 35 rNr 147 beginnt bei der Aufnahmenummer 757, folio 325 befindet sich auf der Aufnahmenummer 993:
Eintrag für Christoph und Nikolaus Ferger in der Ansiedlerliste vom 24. Mai 1765
Quellenangaben